Prolix Studienführer - Freiburg
Mittwoch, 23.September 2026 Uhr

 
Mittagstisch
Prolix-Gastrotipps
ProlixLetter
Ökoplus Freiburg
56plus
lesen-oder-vorlesen
Gruene-quellen
wodsch

 
Kontakt
Werbung
Disclaimer
Datenschutzerklärung
Impressum
 
Tanzschule Fritz

Prolix-Verlag

Archiv

 

 

 
Kurdische Perspektiven: Film, Kultur & Debatten
Kommunales Kino Freiburg
Fr 02.10. – So 04.10.

Das erste kurdische Filmfestival im Kommunalen Kino in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein Avesta e.V. – neu gegründet von engagierten jungen Kurd*innen und Nicht-Kurd*innen in Freiburg.

Das dreitägige Programm bietet ein breites, vielfältiges Spektrum. Das Filmprogramm umfasst politische Dokumentationen, kulturelle Einblicke aus den verschiedenen kurdischen Regionen (Türkei, Iran, Irak, Syrien) sowie filmische Perspektiven auf das Leben in der Diaspora. Besonderes Augenmerk liegt auf dem differenzierten Blick auf das kurdische Leben im Nahen und Mittleren Osten inmitten der dortigen komplexen politischen Gemengelage.

Die kurdischen Regionen spielen historisch wie aktuell eine tragende Rolle bei gesellschaftlichen Umbrüchen. Dies zeigte sich zuletzt auch bei der Frauenbewegung im Iran: Die anhaltenden Proteste begannen in den kurdischen Städten Saqqez und Sanandaj am Abend der Beerdigung von Jina Amini. Der kurdische Slogan „Jin, Jiyan, Azadî“ wurde zum zentralen Slogan der gesamten Protestbewegung.

Ergänzend sind Publikumsgespräche mit geladenen Gästen sowie Beiträge zu kurdischer Kunst, Literatur und Live-Musik geplant, um ein facettenreiches Programm zu bieten.


ERÖFFNUNG MIT MUSIK UND STUMMFILM: ZARE

Zur feierlichen Eröffnung des ersten Kurdischen Filmfestivals spielt der kurdische Musiker Hozan Axîn die traditionelle Saz begleitet von Gesang. Anschließend zeigen wir den preisgekrönten Kurzfilm DANCING AMID FIRE, RISING ABOVE RUINS der kurdisch-iranischen Regisseurin Essmat Sophie, der sich mit den Themen Trauma, Krieg und weiblichem Widerstand befasst. Den Hauptfilm des Abends bildet der Stummfilm ZARE, der 1926 unter der Regie des armenischen Filmpioniers Hamo Beknasarjan entstand und live von Barbara Lenz am Klavier begleitet wird. Der Film gilt als einer der ersten Filme überhaupt, die das Leben kurdischer Menschen darstellen. Im Zentrum der Handlung steht die dramatische Liebesgeschichte zwischen der jungen Zare und dem Hirten Seydo, die auf den Hängen des Berges Alagjas um ihr gemeinsames Glück kämpfen. Dabei gerät das Paar ungewollt in die gefährlichen Machtspiele eines lokalen Stammesführers und der zaristischen Behörden.
Fr 02.10., ab 18:00, mit dem kurdischen Musiker Hozan Axîn, im Anschluss Stummfilm mit Live-Musik, am Klavier: Barbara Lenz

A HAPPY DAY
Was bedeutet es, jung zu sein, Träume zu haben – und gleichzeitig zu wissen, dass die eigene Zukunft ein Ablaufdatum besitzt? Dieser existenziellen Frage widmet sich der norwegisch-kurdische Regisseur Hisham Zaman in seinem melancholischen und doch seltsam leichtfüßigen Film A HAPPY DAY. Tief im Norden Norwegens liegt ein isoliertes Asylzentrum für unbegleitete Minderjährige. Zäune braucht es hier nicht, die unbarmherzige Natur aus Schnee und Bergen ist Barriere genug. Mittendrin stecken die drei unzertrennlichen Teenager Hamid, Aras und Ismail. Ihr Alltag ist ein fragiles Konstrukt: Sobald sie 18 Jahre alt werden, droht die sofortige Deportation. Um dem staatlichen System zuvorzukommen, planen sie die Flucht durch die eisige Bergwelt.
Dänemark, Norwegen 2023, OmeU, 113 Min., Regie: Hisham Zaman. Mit: Salah Qadi, Ravand Ali Taha, Mohamed Salah
Fr 02.10., 21:00

HEMO
Hemo ist syrischer Bauer und verdient sich seinen Lebensunterhalt mühsam auf den Feldern, in einem Land, das noch immer die Narben des Krieges trägt. Eines Tages erreicht ihn ein unerwartetes Angebot: Er soll in einem Film mitspielen und ausgerechnet die Rolle des Feindes, dem er Jahre zuvor während des Widerstands von Kobani 2015 gegenüberstand, übernehmen. Der Dokumentarfilm begleitet Hemo bei dem Dreh, der für ihn weit mehr als ein Schauspieljob ist.
Syrien 2025, OmeU, 43 Min., Regie: Dicle Arjin
Sa 03.10, 16:30

VARTINÎS
Der Dokumentarfilm von Mehmet Ömer Biçer erzählt vom Massaker von Vartinîs am 3. Oktober 1993 in Muş. Neun Mitglieder der Familie Öğüt, darunter sieben Kinder, wurden in ihrem Haus lebendig verbrannt. In seinem Film beleuchtet Biçer die Folgen dieses Verbrechens und den langen Kampf der Angehörigen um Gerechtigkeit.
Türkei 2024, OmeU, 56 Min., Regie: Mehmet Ömer Biçer
Sa 03.10., 18:00, OmeU, zu Gast: Mehmet Ömer Biçer

MEIN VATER, DER GASTARBEITER
Der kurdische Regisseur Yüksel Yavuz erzählt in einem autobiographischen Dokumentarfilm vom Leben seines Vaters, der von 1968 bis 1984 als sogenannter Gastarbeiter auf einer Hamburger Werft arbeitete. Nie wirklich heimisch geworden, kannte er nur die Wege zur Arbeit, zum Fischmarkt und ins Kaffeehaus. Dem Filmemacher gelingt ein berührendes Zeitdokument, in dem er die persönliche Lebensgeschichte seines Vaters nachzeichnet und mit einem Stück Gesellschaftsgeschichte der BRD verbindet. „Yüksel Yavuz erzählt, leise und konzentriert. Wenn sich Daumen und Zeigefinger vom Teeglas lösen, bleiben sie gebogen wie eine Klammer, die etwas Flüchtiges vor seinen Augen fixieren soll. Irgendwo zwischen einer Barackensiedlung in Neuenfelde und einem Dorf in der Türkei ist eine Illusion verlorengegangen." (taz)
Deutschland 1995, OmU, 52 Min., Regie: Yüksel Yavuz

Kurzfilm: MORI
Morîs einzige Erinnerung an ihren verschwundenen Vater ist eine Audioaufnahme eines Märchens. Als ein neuer Lehrer in die Schule kommt, glaubt Morî, in ihm ihren Vater wiederzuerkennen.
Türkei 2024, OmeU, 19 Min., Regie: Yakup Tekintangac
Sa 03.10., 20:00

HÊVÎ (HOPE)
Der 20-jährige Çeto lebt mit seiner taubstummen kleinen Schwester Zeyno und ihrem Vater Mustafa, der kaum über die Runden kommt, ein ruhiges Leben fernab des Dorfes. In dieser bescheidenen Welt trifft Çeto eines Tages auf dem Rückweg aus der Stadt den Viehhändler Emin und stellt ihn seinem Vater vor. Emin hilft der Familie in den Viehhandel einzusteigen und Çeto glaubt, damit eine Lösung für ihre finanziellen Probleme gefunden zu haben. Doch die neue Vereinbarung bedroht Zeynos geliebte Schafe – ihr einziges Andenken an ihre verstorbene Mutter. Als die Situation eskaliert, stellt Çeto seine Schwester, wenn auch widerwillig, vor eine schwierige Entscheidung.
Türkei 2024, OmeU, 80 Min., Regie: Orhan İnce
Sa 03.10., 21:30

FOLGE MEINER STIMME (WERE DENGÊ MIN)
In einem fernen kurdischen Bergdorf im Osten der Türkei geraten die alte Berfe und ihre Enkelin Jiyan in Schwierigkeiten, als ihr Sohn und Vater Temo, einziges männliches Mitglied des Haushalts, mit allen anderen jüngeren Männern des Dorfes vom türkischen Militär verhaftet wird. Der kommandierende türkische Offizier hatte die Information, dass in jedem Haus des Dorfes Waffen versteckt seien.

Jeder Gefangene kommt frei, sobald die Angehörigen ein Einsehen haben und die versteckten Waffen abgeben. Das Problem ist aber, dass es gar keine versteckten Waffen gibt! Jede Familie sucht nach einer Lösung und so mancher betreibt sein eigenes Geschäft mit den Unwissenden. Auch Berfe und Jiyan machen sich in ihrer Verzweiflung auf den Weg eine Waffe zu finden, um Temo aus den Händen des Militärs zu befreien. Die Suche nach dieser Waffe wird zur Geschichte eines alten kurdischen Märchens: Zur Geschichte des Fuchses …
Türkei, Deutschland 2014, dt. Sprachfassung, 105 Min., Regie: Huseyin Karabey & Abidin Parilti, empfohlen ab 9 Jahren
So 04.10., 15:30

KURZFILMPROGRAMM

Dieses Programm vereint eindrücklich Stimmen, die von Flucht, gesellschaftlichem Wandel und dem Kampf um Freiheit im Nahen Osten erzählen. Im Zentrum stehen persönliche und kollektive Traumata, die durch die Linse von Filmemacher*innen aus verschiedenen Ländern der Region beleuchtet werden. Die kurdisch-iranischen Regisseur*innen Farya Younesi und Essmat Sophie richten den Blick auf die verheerenden Folgen staatlicher Repression und die unbändige Kraft des Protests nach der „Frau, Leben, Freiheit“-Revolution. Der renommierte irakisch-kurdische Künstler Hiwa K verknüpft in seinen zwei Beiträgen (THIS LEMON TASTES OF APPLES und PRE-IMAGE) die jüngere Geschichte der Autonome Region Kurdistan mit seiner eigenen Fluchterfahrung nach Europa. Die Regisseurin Rojda Ezgi Oral (XWEMALÎ) ergänzt das Programm um eine feinfühlige Coming-of-Age-Geschichte aus der Türkei der 1980er-Jahre.
So 04.10., 17:30

TO MY SISTERS
Drei Frauen, drei Entscheidungen: Eine junge Kurdin in Syrien führt eine Fraueneinheit in den Kampf gegen den IS – für Freiheit und Frauenrechte. Gehalten wird ihr Kampf von der Stimme einer jesidischen Überlebenden, die als Kind vom IS versklavt wurde und sichtbar macht, was auf dem Spiel steht, wenn dieser Kampf verloren geht. Und während sie den Horror überlebt hat, schloss sich eine deutsche Frau freiwillig dem IS an – und ist heute den Konsequenzen ihrer Entscheidung ausgeliefert.
Deutschland 2026, 95 Min., Regie: Faek Falak
So 04.10., 20:00, zu Gast per Zoom: Faek Falak
Mehr
Eintrag vom: 23.09.2026  




zurück